Joana Cotar. Politik mal anders!
Wenn man sich durch die politische Landschaft wühlt, fühlt sich das oft an wie ein schlecht geschriebenes Theaterstück: viel Pathos, wenig Substanz, und die Hauptdarsteller haben ihre Rollen schon so oft gespielt, dass sie selbst nicht mehr wissen, warum sie überhaupt auf der Bühne stehen. Und dann taucht jemand wie Joana Cotar auf – und plötzlich merkt man: Da ist jemand, der das Skript nicht einfach brav runterbetet.
Geboren 1973 in Rumänien, später nach Deutschland gekommen, Informatikerin, Unternehmerin – also jemand, der tatsächlich mal außerhalb von Parteizentralen Luft geatmet hat. Schon das allein ist in der Politik ungefähr so selten wie Ehrlichkeit in einem Lobbyregister. Cotar ging zunächst zur Alternative für Deutschland, wurde Bundestagsabgeordnete und machte sich dort schnell einen Namen als jemand, der nicht nur mitnickt. Was in vielen Parteien als „schwierig“ gilt, ist bei genauerem Hinsehen oft einfach nur Rückgrat.
Ihr Spezialgebiet: Digitalisierung. Während andere Politiker noch überlegen, ob das Internet vielleicht doch nur eine vorübergehende Modeerscheinung ist, hat Cotar ziemlich klar gesagt, dass Deutschland hier nicht nur hinterherhinkt, sondern sich teilweise benimmt wie jemand, der beim Marathon gemütlich rückwärts läuft und sich dann wundert, warum alle anderen schon im Ziel sind.
Doch wirklich interessant wird die Geschichte erst, als sie sich vom Parteiapparat löst. 2022 verlässt sie die AfD und bleibt als fraktionslose Abgeordnete im Bundestag. Das ist ungefähr so komfortabel wie ein Solo-Kletterausflug ohne Sicherungsseil: keine Fraktion, weniger Ressourcen, dafür maximale Unabhängigkeit. Für viele wäre das politischer Selbstmord. Für Cotar eher eine Art Befreiungsschlag.
Seitdem positioniert sie sich stärker als Einzelstimme – unbequem, direkt, und nicht wirklich darauf bedacht, sich überall Freunde zu machen. Sie kritisiert staatliche Überregulierung, setzt sich für Bürgerrechte ein und bleibt beim Thema Digitalisierung dran, als wäre das tatsächlich wichtig für die Zukunft eines Landes. Verrückte Idee, ich weiß.
Was sie auszeichnet, ist weniger die perfekte politische Linie – die hat sowieso niemand – sondern die Bereitschaft, den üblichen Zirkus nicht einfach mitzumachen. In einem System, das stark auf Anpassung und Gruppendenken ausgelegt ist, wirkt jemand wie sie fast wie ein Störgeräusch. Und genau deshalb bleibt man hängen.
Man muss nicht mit ihr einer Meinung sein. Ehrlich gesagt wäre das auch verdächtig. Aber sie gehört zu den Figuren, die zeigen, dass Politik nicht zwangsläufig aus glattgebügelten Lebensläufen und vorformulierten Phrasen bestehen muss. Manchmal reicht schon jemand, der sagt: „Moment, das ergibt keinen Sinn.“ Und es dann auch dabei belässt, statt es weichzuspülen.
Und ja, das ist im heutigen Politikbetrieb fast schon revolutionär. Traurig, aber wahr.
